Schwarzer Bildschirm
Die ersten Wochen auf Zypern. Sonne, Meer, Palmen. Der Instagram-Post würde großartig aussehen.
Aber drinnen? Nichts.
Ich hab mich morgens an den Computer gesetzt. Laptop auf. Bildschirm an. Und dann: schwarzer Bildschirm. Nicht weil der Laptop kaputt war. Sondern weil in meinem Kopf nichts kam.
Keine Idee. Kein Impuls. Keine Energie. Nicht mal die Energie um frustriert zu sein.
Eine Woche. Jeden Tag.

Montag: Laptop auf. Starren. Zuklappen. Dienstag: Laptop auf. Starren. Zuklappen. Mittwoch: Dasselbe. Donnerstag: Dasselbe.
Ich hatte Dinge zu tun. To-Dos existierten. Emails die beantwortet werden mussten. Projekte die warten. Aber ich konnte es einfach nicht. Der Kopf wollte. Der Körper sagte nein.
Das Schlimmste war nicht dass nichts kam. Das Schlimmste war dass ich wusste: Normalerweise bin ich der Typ der um 6 Uhr aufsteht und bis Mitternacht durcharbeitet. Der Typ der in 5 Tagen ein 80-Seiten-Workbook baut. Und jetzt saß ich da und konnte nicht mal eine Email beantworten.
Es ist vorbei
„Ich dachte: Es ist vorbei. Alex, du bist im Arsch. Burnout. Was auch immer das ist."
5 Jahre Überarbeitung. Wir hatten funktioniert — meine Frau und ich. Nicht gelebt. Funktioniert. Jeden Tag. Kein Urlaub. Nur Arbeit im Kopf. Den ganzen Stress aus dem Beruf mit in die Familie gebracht. Nicht gut.
Und jetzt noch obendrauf: Hausverkauf. Auswanderung. 2 Kinder in einer komplett neuen Welt. Neue Schule, neue Sprache, neues Land. Alles gleichzeitig. Alles auf einmal.
Irgendwann ist das Fass voll. Und dann läuft es nicht über — es steht einfach still.
Netflix und Meer
Ich hab Netflix geguckt. Bin am Strand rumgelaufen. Hab Kaffee getrunken und auf das Mittelmeer gestarrt. Stundenlang. Hab versucht nicht daran zu denken dass mein Konto langsam schrumpft und ich keinen Plan hab wie ich Geld verdienen soll.
Meine Frau hat mich machen lassen. Sie hat nicht gesagt „Du musst was tun." Sie hat nicht gedrängelt. Sie hat einfach die Kinder genommen, die Schule organisiert, den Alltag aufgebaut — und mich in Ruhe gelassen. Ohne sie wäre ich in dieser Phase zerbrochen.
Das Härteste

Das Härteste an dieser Phase war nicht die Leere. Es war die Stille. Kein Content. Kein Post. Keine Email. Niemand der fragt wo ich bin. Weil online: wenn du aufhörst zu posten, hörst du auf zu existieren.
Meine letzte Email war vom 14. April 2025. Danach: 10 Monate Stille. Kein einziges Lebenszeichen. Kein „Hey, ich mach mal Pause." Einfach weg.
10 Wochen lang hab ich nichts gemacht. Und „nichts" ist schwerer als es klingt. Weil du denkst du müsstest. Weil du siehst wie andere posten und launchen und skalieren. Und du sitzt auf Zypern und guckst Netflix.
Aber mein Körper hat gesagt: Stopp. Nicht morgen. Jetzt. Und wenn dein Körper Stopp sagt, hast du zwei Optionen: zuhören oder zusammenbrechen.
Ich hab zugehört.
Was ich heute darüber denke
Der schwarze Bildschirm war nicht das Problem. Er war die Lösung. Mein Körper hat gemacht was ich nie gemacht hätte: anhalten. Mich zwingen nichts zu tun. Mich zwingen einfach nur da zu sein — ohne Produktivität, ohne Output, ohne Ergebnis.
Und irgendwann, nach Wochen, ist etwas passiert. Nicht dramatisch. Nicht plötzlich. Sondern langsam. Wie ein Akku der sich lädt. 1%. 2%. 5%. Bis die Finger wieder angefangen haben zu jucken.
— Alex, Paphos, November 2025
Der schwarze Bildschirm war kein Problem. Er war die Lösung.
Mein Körper hat gemacht was ich nie gemacht hätte: anhalten. Und genau das sage ich heute meinen Kunden — manchmal ist das Beste was du tun kannst aufhören zu arbeiten und anfangen hinzuschauen.
💡 Was das für dich bedeutet:
Wann hast du das letzte Mal wirklich angehalten? Nicht ein Wochenende. Nicht ein Urlaub. Wirklich angehalten. Ohne Schuldgefühle. Ohne das Gefühl du müsstest produktiv sein. Wenn du nicht erinnerst — bist du wahrscheinlich näher am schwarzen Bildschirm als du denkst.