Sylvia kauft die Tickets
Mai 2025. Stefan Rumi feiert seinen Geburtstag auf Zypern. 9. bis 12. Mai. Er hat mich eingeladen. Wochen vorher schon.
Und ich konnte mich nicht entscheiden.
Ich hatte tausend Gründe. Geld ist knapp. Meine Frau allein mit zwei Kindern, damit ich 4 Tage auf Zypern feiern kann? Geht doch nicht. Schlechter Zeitpunkt — ich war mitten im Booster-Projekt. Die Workshops liefen. Die Emails gingen raus. Momentum.
Aber die Wahrheit war: Ich war am Ende. Total überarbeitet. 0 Energie. 0 Fokus. Alles fiel schwer. Das 80-Seiten-Workbook hatte mich ausgebrannt. Die letzten 5 Jahre hatten mich ausgebrannt. Nur hab ich mir das nicht eingestanden.
Wochenlang hab ich das hin- und hergeschoben. Stefan hat immer wieder nachgefragt. Kommst du? Kommst du nicht? Und ich hab mich jedes Mal rausgeredet. „Ich schau noch." „Ist gerade schwierig." „Lass mich noch überlegen."
Jeder kennt das. Du weißt was du willst, aber du traust dich nicht. Also sagst du dir: „Nächstes Mal." Und „nächstes Mal" wird „nie".
Die Absage

Am Ende hab ich abgesagt. Stefan war nicht nur enttäuscht — er war traurig. Kann man ihm nicht verübeln. Sein bester Freund sagt zwei Wochen vor seinem Geburtstag ab weil er sich „nicht auskacken kann", wie er es ausdrücken würde.
Mein Grund? Ich konnte mir nicht vorstellen meine Frau 4 Tage alleine mit den Kindern zu lassen damit ich auf Zypern feiere. Das ging nicht in meinen Kopf. Nicht in meiner Situation. Nicht mit meinem Kontostand.
10 Minuten
Sylvia, Stefans Partnerin, hat mich angeschrieben. Nicht wütend. Besorgt. „Alex, was ist los bei dir?"
Ich hab ihr die Wahrheit gesagt. Zum ersten Mal. Nicht die Business-Version, nicht die „ist gerade schwierig"-Version. Sondern: Ich kann es mir nicht leisten. Finanziell nicht. Zeitlich nicht. Energetisch nicht.
10 Minuten Stille.
Dann schickt sie mir eine Nachricht. Mit den Flugtickets. Gebucht. Bezahlt.
„Jetzt kommst du da nicht mehr raus."
Was machst du da? Du fliegst nach Zypern.
4 Tage die alles verändert haben
Ich war 4 Tage auf Zypern. Paphos. Sonne, Meer, gutes Essen, gute Gespräche. Nichts Dramatisches. Keine Erleuchtung auf einem Berg. Nur 4 Tage raus aus dem Hamsterrad.
Aber innerlich ist etwas passiert. Ich hab mir Paphos angesehen — wirklich angesehen. Die Stadt. Die Ruhe. Die Art wie die Menschen hier leben. Und ich hab mir unbewusst die Frage gestellt: Könntest du das auch? Einfach hier leben? Wie Stefan?
Zu dem Zeitpunkt: Nein. Ich hatte die Hose voll. Wie mach ich das mit den Kindern? Wie mach ich das finanziell? Was sagt meine Frau? Was sagt die Familie?
Aber die Frage war da. Und Fragen die einmal da sind, gehen nicht mehr weg.
Zurück in Wagenhoff
Ich bin zurückgeflogen. Hab niemandem von der Frage erzählt. 1-2 Wochen Stille. Wirken lassen.
In diesen Wochen hab ich realisiert was mich die ganze Zeit gestört hat. Wir lebten in einer kleinen Blase von 30 Kilometern Umkreis. Schule, Kindergarten, Supermarkt, Freunde. Das nannten wir unser Leben. 30 Kilometer. Das war's.
2014 hatten meine Frau und ich unser Haus selbst gebaut. Mit eigenen Händen. Jeder Stein, jede Fliese, jeder Pinselstrich. Und trotzdem: Ich hatte mich in dieser Gegend nie wirklich wohl gefühlt. Nie das Gefühl angekommen zu sein. 11 Jahre lang.
Und dann bin ich zu meiner Frau gegangen und hab gesagt:
„Schatz, ich habe mich entschieden. Ich will das alles nicht mehr. Ich will unser Haus verkaufen."
Zwei Wochen Tränen
Für sie war das wie ein Schlag ins Gesicht. Ich hab ihr quasi den Boden unter den Füßen weggerissen. Unser Haus. Die Kinder. Die Schule. Die Freunde. Alles was sicher ist.
Im ersten Moment ist für sie eine Welt zusammengebrochen. Sie war 2 Wochen nicht in dieser Welt. Viel geweint. Und ich verstehe das. Wirklich.
Aber das Thema Auswandern lag seit 3-4 Jahren auf dem Tisch. Nie konkret. Immer Wunschdenken. „Irgendwann mal." „Wenn die Kinder größer sind." „Wenn wir genug Geld haben." Kroatien war zwischendurch auf dem Schirm — Freunde waren 2024 dorthin ausgewandert.
Aber es war nie real. Bis jetzt.
Als ich ihr erklärt habe warum ich das machen will — nicht nur Zypern, sondern raus aus dem Hamsterrad, raus aus den 30 Kilometern, raus aus dem Funktionieren — hat sie angefangen sich zu öffnen.
Und dann hat sie angefangen Fragen zu stellen. Praktische Fragen. „Wann?" „Wohin genau?" „Was ist mit der Schule?" „Wie viel brauchen wir?"
Und ich wusste: Jetzt wird es real.
Was ich damals auch nicht wusste: Mehrere meiner Kunden waren bereits nach Zypern ausgewandert. Das hab ich erst danach herausgefunden. Das Universum schickt manchmal Zeichen — du musst nur aufhören sie zu ignorieren.
— Alex, Wagenhoff, Mai 2025
Manchmal braucht es jemanden der dir die Tickets kauft.
Ich wäre nie nach Zypern geflogen. Hätte nie das Haus verkauft. Hätte nie den Booster als eigenes Business gestartet. Alles weil eine Person gesagt hat: Jetzt reicht's, du kommst.
💡 Was das für dich bedeutet:
Was ist die Entscheidung die du seit Monaten vor dir herschiebst? Die Sache von der du weißt dass sie richtig ist, aber du sagst dir „schlechter Zeitpunkt"? Es wird nie ein guter Zeitpunkt sein. Manchmal braucht es jemanden der dir die Tickets kauft. Aber meistens braucht es einfach nur dich — und den Mut zu sagen: Jetzt.